Chronik

- Runentafel, die Göttin Ostara darstellend
Eine ziemlich ernsthafte
Chronik
von Barksen in der Ortschaft Hohenstein
Verfasser: Ferdinand Alms
Stand: 10.01.2012
(niemals vollständig und deshalb immer wieder bearbeitet)
Anmerkungen:
Drei Jahre Mühe hat es gemacht: Den letzten Lehrer der Barkser Volksschule zu besuchen, im Kloster Loccum, im Niedersächsischen Staatsarchiv in Bückeburg und im Archiv der Stadt Hessisch Oldendorf mehrfach nach dem Ursprung des Dorfes zu forschen; (auch plattdeutsche) Gespräche mit Bewohnern des Dorfes, die sich dafür die Zeit nahmen; erfüllte Bitten um Fotos aus der Vergangenheit und nicht zuletzt das Stöbern nach Hintergrundinformationen in den Kirchenbüchern und auf allerlei Dachböden, viele Kleinarbeit erweiterte das geschichtliche und gesellschaftliche Weltbild von Edith Patzelt ungemein. Und sie ist heute noch glücklich über dieses „Lebenswerk“!
Wer an tiefergehenden Informationen interessiert ist, findet sie in ihrer Chronik Barchusen – Barksen Aus der Geschichte unseres Dorfes. Sie wurde herausgegeben von der Dorfgemeinschaft Barksen; dort kann man sie beim 1. Vorsitzenden noch erwerben.
Wenn man ein Haus bauen will, ist es gut zu wissen, auf welchem Grund es zu stehen kommt.
Wenn jemand in Barksen seinen Lebensschwerpunkt festmachen will, fragt man sich wohl: „Was ist das für ein Dorf, wie hat es sich entwickelt so wie es heute ist?“
Diese Chronik auf der Internetseite soll dafür in kurzer Form die Vorgeschichte und auch die aktuelle Situation des Ortes und seiner Umgebung beschreiben und dazu weitere „Arabesken“ liefern.
In der Karolingerzeit:
Während der seit 772 fast 33 Jahre andauernden Sachsenkriege war es Karls des Großen Ziel die Sachsen unbedingt dem Christentum zuzuführen.
Als er im Jahre 782 auf dem Reichstag zu Lippspringe das bereits besetzte, aber nicht beherrschte Land Sachsen in fränkische Grafschaften aufteilte sowie die sächsischen Thing-Versammlungen abschaffte, entfachte er damit den Zorn des Sachsenherzogs Widukind. In der Schlacht im Blutbachtal (Süntel) – hier besser bekannt als „Die Schlacht auf dem Dachtelfeld”- vernichtete Widukind das fränkische Heer, während Karl der Große selbst im Osten gerade die Sorben „christianisierte“. 1)
Letzterer revanchierte sich sofort und ließ beim berüchtigten Blutgericht in Verden über tausend Sachsen – Chronisten berichten von 4500 – enthaupten.
Drei Jahre später ließ sich Widukind taufen; Taufpate war König Karl der Große, der sich – nicht zuletzt als Verdienst für die vollständige Bekehrung der heidnischen Sachsen – am Weihnachtstag des Jahres 800 von Papst Leo III. zum Kaiser krönen ließ.
Das Blutbachtal liegt eine halbe Wegstunde nordöstlich von Barksen am Fuße des Hohensteins, es wird auch Totental genannt.
- Wenn ich mir die Landschaft im Hohensteingebiet des Jahres 782 vorstelle, kommen mir Zweifel über eine Schlacht in einem dicht bewaldeten Gebirgstal: Wie will man da zwischen den Büschen und Bäumendem Gegner mit einem Schwert den Kopf abschlagen, so dass der Bach sich rot vom Blute färben kann?
Wahrscheinlicher erscheint mir eine Schlacht nebenan auf dem damals weniger bewachsenen Dachtelfeld im Bereich der Blutbachquelle. Vielleicht haben die Franken die Schlacht aber auch verloren, weil in diesem Waldgebiet damals noch so viel „Teufelsholz” [mutierte Buchen, = Süntelbuchen] wuchs, das ihnen die Orientierung nahm?
Immerhin war es die einzige Schlacht, die Karl der Große in den Sachsenkriegen verlor.
Letzten Endes: Trotz des Sieges war seither den Sachsen die heidnische Feuerbestattung und das Essen von Fleisch an Fastentagen verboten.
Im Mittelalter:
In einer Urkunde 132. vom 4. Febr. 1244 erste Erwähnung eines Meinfridus von Barchusen im Zusammenhang mit einem Eigentumsstreit zwischen dem Bischof von Minden und den Grafen von Scowenborg (Schaumburg).
Im Jahre 1319 wurde erstmals eine Urkunde im Kloster Loccum archiviert, in der die Ortsbezeichnung Barchusen erwähnt wurde.
Barchusen ist mit Berghausen zu übersetzen und wurde durch Sprachver-schiebungen zu Barksen. 2)
- Man würde den Streithansl Meinfridus heute wohl Manfred nennen;
der Name bedeutet Mann des Friedens!
Dies sollte bei künftigen Namensgebungen mal bedacht werden.
Nach der Reformation:
Im Dreißigjährigen Krieg belagerte das katholische Heer die Stadt Hameln. Im Juni 1633 kam es im Bereich Welsede – Rohden – Barksen – Hessisch Oldendorf mit den kaiserlichen Truppen unter Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg und den verbündeten Schweden zu einem in dieser Zeit üblichen Gemetzel mit fast 30.000 Mann. Die Evangelischen gewannen und befreiten damit die Hansestadt Hameln.
- Das Metzeln vernichtete gewiss den größten Teil der Kornernte in der Gemarkung , wodurch besonders die Kleinbauern mit ihren kargen Äckern in Not gebracht wurden. Die damaligen Kleinkötner und Brinksitzer hatten auch kaum die Möglichkeit und kein Geld , sich im nächsten Laden die fehlenden Lebensmittel kaufen zu können; sie hatten in Barksen keine schöne Zeit.
Nicht unerwähnt sei, dass das Geburtshaus des Verfassers dieser Chronik zum Zeitpunkt der Schlacht bereits 24 Jahre alt war und heute noch bewohnt ist.
Vor dem 1. Weltkrieg:
„Um einen fühlbaren Mangel zu beseitigen“ – so das Protokoll – „beschlossen im Februar 1901 eine Anzahl Bewohner des Ortes Barksen, einen Männergesangverein zu gründen.“ Er wurde Liedertafel Barksen getauft, gab sich eine Satzung, dessen „Arbeitsgebot die Pflege des Volksliedes sein soll, … den Sinn für das wahrhaft Schöne und Edle zu pflegen und zu fördern“ und hatte Ende des Jahres bereits 27 Mitglieder. 2)
Und danach:
- Ab 1935 wurden keine Protokolle der Liedertafel mehr geführt; wohl weil es noch edleres gab, als Deutsches Liedgut zu pflegen, und weil ab 1939 auch viele Mitglieder abwesend waren.
Nach dem 2. Weltkrieg:
In den letzten Tagen des Krieges wurde – nach der Befreiung von Hameln und Rinteln am 7. April 1945 durch amerikanische Truppen – der „Weserkessel“ um Hessisch Oldendorf weiterhin verteidigt.
Bis zum 11. April wurden die letzten 8,8-cm-Geschütze der Flakabteilung 82 am Waldrand oberhalb von Segelhorst und Barksen durch Beschuss ausgeschaltet. Die letzte deutsche Granatwerfereinheit setzte sich am Mittag dieses Tages über Barksen und Zersen zum Hohenstein ab und „versenkte“ oberhalb des Kreuzsteins die Fahrzeuge im Blutbach. Am Abend war der Weserkessel befreit.3)
- Auf dem Lande wurden aus naheliegenden Gründen Schweine gefüttert. Während des Krieges war immer zu befürchten, beim Schwarzschlachten erwischt oder – was noch schlimmer war – denunziert zu werden. Manche litten deshalb unter der kargen Kost, das war nun vorbei. Aber jetzt folgten Einquartierungen. Von heutigen Mitbürgern, die aus ihrer ostdeutschen oder tschechischen Heimat vertrieben worden waren.
In fast allen Häusern wurde es eng, sehr eng.
Für mich Dreijährigen wurde bald darauf auch die Lafette der zerstörten „Flak” (Flugabwehrkanone) in der Schiefergrube am Mittelberg nicht mehr, auf der ich mit meines Vaters Hilfe erstmals „Karussell” gefahren bin. Ein unvergessenes Ereignis!
Es veränderte sich nun Vieles; durch den sogenannten Lastenaus-gleich wurde es nun möglich, in Barksen sesshaft zu werden.
Seit 1948 gab es wieder Aufzeichnungen über Singübungsabende der Liedertafel Barksen im (einklassigen) Schulgebäude und über ein Sängerfest im Zelt im gleichen Jahr …
In den Jahren 1972 und 1973 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Langenfeld, Rohden, Segelhorst, Barksen, Zersen, Wickbolsen, Krückeberg und andere im Umkreis in die Stadt Hessisch Oldendorf eingemeindet.
Seit dem Inkrafttreten der Gebietsreform am 1. August 1977 gehört die Einheitsgemeinde Hessisch Oldendorf zum Landkreis Hameln-Pyrmont. Die zuständigen Gremien hatten mit großer Mehrheit für das Ausscheiden aus dem Landkreis Grafschaft Schaumburg gestimmt.
Hessisch Oldendorf besteht aus den Ortschaften Fischbeck, Großenwieden, Hemeringen, Hohenstein, Rohdental, Sonnental und Süntel sowie Hessisch Oldendorf.
Zur Ortschaft Hohenstein zählen die Orte Langenfeld, Barksen, Zersen, Wickbolsen und Krückeberg.
Erste Erwähnung der Dorfgemeinschaft:
Im Oktober 1981 beschlossen die Vorsitzenden der Barkser Vereine, der Siedlerbundgemeinschaft sowie der damalige Barkser Ortsrat eine Dorfgemeinschaft zu gründen. Zweck war vordergründig der Bau einer Schutz- und Wanderhütte.
Ein Bauantrag dafür wurde im Januar 1982 gestellt; am 25. April erst fand eine Gründungsversammlung des Vereins statt und am 21. Juli wurde die Hütte eingeweiht. Die Kosten betrugen etwa 7000 DM.
Im Jahre 1992 wurde die Dorfgemeinschaft ein eingetragener Verein und damit gemeinnützig. Anlass und Grundlage dafür war die Finanzierung der obengenannten Dorfchronik.
Im Jahre 2010 wurde die Satzung für die Gewinnung neuer Mitglieder geändert und danach ein neuer, erweiterter Vorstand gewählt.
Heute (Stand 25. Dezember 2011):
Barksen hat 461 Einwohner.
Die Dorfgemeinschaft e.V. wird von 102 Mitgliedern unterstützt;
der Männergesangverein Liedertafel Barksen, der im Jahre 2011 sein110-jähriges Jubiläum feierte, hat 92 Mitglieder, 29 davon kommen aus den umliegenden Ortschaften. Die aktiven von ihnen üben im Gemeinschaftsraum des Feuerwehrhauses; sie leiden ein wenig unter Nachwuchsmangel, weswegen es Schwierigkeiten gibt, den Gesang noch vierchörig auszuüben.
Quellen:
1) Kreisgeschichte Kreisarchivarin Karin Schaper
2) Barchusen – Barksen von Edith Patzelt (1993)
3) Damals von Heinz Meyer ISBN 3-87725-094 (1983)